YouTube wird zunehmend als Quelle für klassische Berichterstattung verwendet. Das besagt eine Studie des Pew Research Center for Excellence in Journalism. Die Videos von Privatpersonen tauchen immer öfter in den News von Medienhäusern auf. Laut Forschern gibt es noch Probleme mit ethischen Richtlinien.

(pte)

YouTube: Quelle für Journalisten (Foto: Flickr.com/codenamecueball)

Nach dem Vorjahres-Tsunami in Japan, bei dem mehr als 18.000 Menschen ums Leben kamen und ein Schaden von rund 150 Mrd. Euro entstand, suchten auffällig viele Menschen nach Informationen auf Youtube. In den sieben Tagen nach der Katastrophe hatten die 20 am meisten angeklickten Nachrichten-Videos alle mit dem Tsunami zu tun und wurden mehr als 96 Mio. Mal aufgerufen.

Nachholbedarf bei Verlagshäusern

"Klassische Medien müssen ihre Filterfunktion ausüben, denn heutzutage werden Inhalte ohne jegliche journalistischen Standards veröffentlicht. Verlage können die Echtzeitberichterstattung noch nicht ganz nachvollziehen oder sie setzten die notwendigen Strategien nicht um. Der Umbruch durch die sozialen Medien hat die gesamte Branche unter Zugzwang gestellt", sagt Kommunikationsprofi Günter Exel http://guenterexel.com gegenüber pressetext.

Die Forscher untersuchten die beliebtesten Videos der YouTube-Kategorie "Nachrichten" und analysierten dabei die Inhalte, Themen und Beliebtheit. Dabei fanden sie heraus, dass es zu einer symbiotischen Beziehung zwischen Menschen und Nachrichtenorganisationen gekommen ist. Die Benutzer von YouTube stellen ihre eigenen Videos ins Internet und teilen gleichzeitig die Inhalte von professionellen Medienhäusern. Medien nutzen im Gegenzug die Videos von Privatpersonen und binden sie in ihre Berichterstattung ein.

News-Videos regelmäßig top-platziert

Das Desaster in Japan ist dabei keine Ausnahme: YouTube wird in der globalen Berichterstattung immer wichtiger. Die Untersuchung kommt zum Schluss, dass im Durchschnitt jeden dritten Monat ein News-Thema die Ranking-Liste anführt. Andere populäre Ereignisse waren die Wahlen in Russland, die Volksaufstände im Mittleren Osten und das verunglückte Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia".

Bei diesem Austausch kann es der Studie zufolge zu Problemen kommen, da bislang keine ethischen Standards definiert wurden. YouTube bietet zwar Richtlinien an, es sei aber klar, dass sie nicht immer befolgt und gewisse Inhalte nicht bedacht würden. Medienexperte Exel spricht von einem fehlenden Verständnis der Branche, denn die Beurteilung und Einordnung von Bildmaterial gehöre zu einer umfassenden Kommunikation. "Vor allem bei kleineren Medien fehlen die nötigen Strategien."

22.07.2012 | 708 Aufrufe